TRAVEL DIARY: Sri Lanka, Pt. 2

Heute geht es weiter mit meinem Travel Diary aus Sri Lanka. Den ersten Teil könnt ihr hier nachlesen. Wir befinden uns gerade auf einem Ausflug und haben soeben den Sigiriya Rock erklommen.

Ochsenkarren am Straßenrand

Nur zwei Kilometer weiter starteten wir eine kleine Safari mit dem Ochsenkarren. Als Tierliebhaber überkam mich sofort wieder ein Schuldgefühl, dass die Ochsen für unsere Vergnügungszwecke ausgenutzt wurden uns uns ziehen mussten. Ich war lediglich etwas milder gestimmt, als ein Einheimischer auf einem Einsitzer-Ochsenkarren an uns vorbeifuhr und ich somit sah, dass es sich nicht ausschließlich um eine Touristenattraktion handelte, sondern dass Ochsenkarren bei den Einheimischen im Landesinneren wirklich ein Transportmittel sind. Was die Behandlung der Tiere zwar nicht besser macht, trotzdem wusste ich jetzt wenigstens, dass die Tiere nicht nur für meine Unterhaltung vor den Karren gespannt werden.

Die Situationen, in denen Tiere im Spiel waren, brachten mich – wie ihr rauslesen könnt – oft in einen moralischen Zwiespalt. Ich dachte an unsere Pferde im Reitverein, die genauso an Festen vor die Kutsche gespannt werden und einige Runden drehen müssen. Wie also konnte ich in Sri Lanka über Ochsenkarren urteilen und bei uns zu Hause an der Kasse stehen und für Kutschfahrten kassieren? Das ist nicht besser – kann ich aber dadurch mildern, dass die Behandlung unserer Pferde bestens ist. Wieso also nicht glauben, dass die Behandlung der Ochsen auch einwandfrei ist? Direkt nach unserer zehnminütigen Fahrt durch ein Waldstück durften die Ochsen dann nämlich auch direkt wieder grasen und blieben nicht eingespannt.

Boote am Ufer

Wir liefen dann an einen kleinen See voller Seerosen, den wir mit einem Katamaran überquerten. Auf den Seerosenblättern sonnte sich ein Waran. Der Bootsführer bastelte dann inmitten der Seerosen Hüte aus den großen Blättern für uns und formte aus Seerosen einen wunderschönen kleinen Blumenstrauß, der mir dann von meinem Freund überreicht wurde. Die Geste des Bootsführers war so schön, erfreut und ehrlich, dass ich mich riesig darüber gefreut und seine Fingerfertigkeit absolut bewundert hatte. Man sah richtig, dass er uns aufrichtig eine Freude machen wollte und war stolz wie Bolle, als ich mich über seine Geste so sehr freute.

Kunst aus Seerosen

Auf der anderen Seite des Sees gelangten wir an eine kleine Siedlung, bei der wir eine einheimische Familie in einfachen Verhältnissen besuchten. Wir kletterten zunächst mal ins Baumhaus (so ein Baumhaus habe ich mir als Kind immer gewünscht! Ein Traum!), bevor uns die Dame des Hauses in den Küchenbereich der Lehmhütte führte. Sie zeigte uns, was sie kochen würde und zauberte mit einfachsten Mitteln ein tolles Essen auf offenem Feuer. Den Reis trennten wir selbst mit einem großen Mörser von seiner Hülse. Das Essen bekamen wir in Seerosenblättern serviert und gegessen wurde mit den Händen. Wenn ich das Essen auf unserer Hotelanlage als sehr eintönig und oft zu scharf empfand, war dieses Essen ein absoluter Gaumenschmaus und ich war wirklich traurig, als mein Sättigungsgefühl einsetzte. Die Atmosphäre in der Familie war supertoll. Die kleine Tochter freundete sich sofort mit meinem Freund an und wir hatten das Gefühl, dort Willkommen zu sein. Man erklärte und zeigte uns viel und entsprechend dankbar waren wir zum Schluss auch.

Baumhaus meiner Träume! 

Die Familie zeigte uns die Spuren eines Elefanten im Garten, der nur wenige Tage zuvor auf der Suche nach Wasser aus dem Dschungel zum See gelaufen war und dabei den Gemüsegarten der Familie als Snack verspeist hatte. Die Fußtapser waren eindrucksvoll und ebenso traurig war es, dass die Ernte der Familie einfach so im Eimer war. Die Gastfreundschaft dieser Familie war unübertroffen, das Essen wahnsinnig lecker und die Eindrücke dort eine bleibende Erinnerung. Gemeinsam mit der Katamaran-Fahrt über den kleinen See war das einer meiner liebsten Punkte und rundete unseren Nachmittag perfekt ab. Auf dem Weg nach Hause hielten wir dann noch an einem kleinen Café und wir probierten Hoopers (Appa) mit einer leckeren, leicht scharfen Sauce. Ein einfaches Gericht, das ich aber super lecker fand und ich freute mich riesig, dass es die Hoppers auch einmal im Hotel zu essen gab.

Nach dem Mörser wird der Reis von seiner Schale getrennt

Nach unserer Tagestour blieben wir am nächsten Tag erstmal am Hotelpool und dem Strandabschnitt vor unserem Hotel. Der Bereich direkt an unserem Hotel war sehr sauber und schön, mit weitläufigem, weichem Sand und seichtem Wasser mit leichten bis mittelstarken Wellen. Perfekt für Wasserliebhaber! Wenige Meter entfernt, Richtung unbewohnter Seezungenteil, begann sich der Müll zu häufen – leider typisch für viele asiatische Länder und nicht nur am Strand, sondern auch im Landesinneren überall zu sehen. Wir unternahmen noch einen Spaziergang am Strand endlang und hatten vor den Hotelanlagen weniger mit herumliegendem Müll zu kämpfen. Dafür machten uns hier inbesonderen in der Abenddämmerung und nachfolgenden Dunkelheit, die vielen Krebse einen Strich durch die Rechnung, die schon fast kampflustig vor uns hin- und hertänzelten. Hunderte davon! Es war ein riesen Spaß, zwischen den Krebsen durchzulaufen – ein bisschen Nervenkitzel und Spannung. Ich war aber sehr froh, dass wir ein Handy mit Taschenlampe dabei gehabt haben und so sehen konnten, wo wir hintreten.

Seichte Strände an Sri Lanka’s Westküste

Die nächsten Tage entspannten wir viel am Pool und im Meer, machten aber auch mehrmals auf eigene Faust Ausflüge in die Stadt und auch in die Seitenstraßen. Abseits von Hotelanlage und Touristenattraktion erwarten einen unglaublich viele verrottete Häuser, teilweise noch vom Tsunami in einen Rohbauzustand zurückversetzt, manche davon schwarz eingefärbt vor Feuchtigkeit und Schimmel. Die Wohnsiedlungen sind allgemein eine bunte Mischung aus wunderschönen Villen und einfachen Wellblechhütten. In ganz ärmlichen Siedlungen sah ich sogar Gruppen, die sich an einem Brunnen duschten, weil es zu Hause keine sanitären Anlagen gab. Man fühlt sich dann fast schon schlecht, wenn man an seine eigene Wohnung und den eigenen Lebensstandard denkt. Auf der Straße kamen wir an noch mehr Müll vorbei und mein Herz brach, als wir einen der vielen streunenden Hunde sahen, der bereits halb zusammengebrochen mitten auf der Straße stand. Bewegungsunfähig und man sah ihm an, dass sich gerade die letzten Minuten seines Lebens abspielten. Hilflosigkeit macht sich in einem breit. Dem Tier war ganz offenbar nicht mehr zu helfen, das Fell war zerfressen, der Hund abgemagert und ohne Kraft, jede Hilfe kommt zu spät. Mein Herz blutete bei dem Leid und dem Wissen, dass ich nicht helfen kann und dass es hier so viele Tiere gibt, die Hilfe benötigen, die wild streunen. Ich musste mich wohl oder übel damit abfinden, dass das hier der Lauf der Dinge ist. Wenigstens kämpfen sich die Tiere hier einfach alleine durch und werden größtenteils in Ruhe gelassen. Wenn ich an das Yulin-Festival in China denke, haben es die Tiere hier sogar noch gut.

Fußspuren im Sand

Eines Nachmittages fuhren wir mit dem Tuk-Tuk zu einer Turtle Hatchery nach Kosgoda, etwa 15km von unserem Hotel entfernt. Nach den Erfahrungen im Elefantenwaisenhaus war ich gewillt, eine Schildkrötenfarm zu finden, die ihren tatsächlichen Zweck, nämlich der Rettung und dem Schutz der Tiere, noch standhaft war. Die Schildkrötenfarm in Kosgoda hatte über einen langen Zeitraum viele positive Bewertungen und so ließen wir uns dort hin fahren. Einige Tage später kamen wir nochmal durch den Ort und ich sah, dass es dort noch zwei weitere Farmen im Ort gab. Ich konnte daher nur hoffen, dass unser Fahrer uns in die falsche Farm gebracht hatte und eine der beiden anderen Farmen die positiv bewertete Hatchery war, denn wir landeten in einer Umgebung, bei der ich wieder nicht sicher war, wie ich moralisch handeln soll.

Turtle Hatchery in Kosgoda

Der Besitzer der Turtle Hatchery führte uns über das Gelände und zeigte uns die verschiedenen Stationen, angefangen mit dem Sandgehege, in dem die Eier verbuddelt werden. Wir erfuhren, dass mit den Eintrittsgeldern der Besucher täglich auf dem Markt illegal angebotene Schildkröteneier gekauft wurden, die dann im Sandgehege eingebuddelt werden, bis die Tiere schlüpfen. Natürlich ist das besser, als gar nichts zu tun – aber ich kam nicht um den Vergleich in meinem Kopf: Das ist ja, als würde ich täglich zum Metzger gehen und dort das ganze Fleisch kaufen, damit andere Menschen kein Fleisch mehr essen können. Das sorgt dafür, dass kein anderer das Fleisch kriegt, aber es sorgt genauso dafür, dass der Metzger sein Geld bekommt und am nächsten Tag wieder Fleisch anbieten wird – denn es gibt ja einen Abnehmer. Für mich war das eindeutig der falsche Ansatz, aber man kann viel meckern, denn einen besseren Vorschlag habe ich auch nicht.

Wunder der Natur – Schildkrötenpanzer

Zumindest sorgt der Mann dafür, dass die Jungtiere in Sicherheit schlüpfen. Wir durften die an diesem Tag geschlüften Schildkröten aus einem Becken holen und aus nächster Nähe begutachten. Nach etwa drei Tagen, wenn der Buchnabel der Tiere zugewachsen ist, werden sie abends an den Strand gesetzt und frei gelassen. Das war in meinen Augen der schöne Teil der Turtle Hatchery. Zu wissen, dass hier täglich 30 bis 40 kleine Schildkrötenbabys die Chance auf ein freies Leben bekommen ist auf jeden Fall schöner, als dass die Schildkröteneier auf dem Markt in falsche Hände geraten. Zudem sind Tierbabies sowieso immer schön anzusehen und einfach zu süß. Den kleinen Arnold, wie wir die Babyschildkröte in unseren Händen nannten, hätte ich am liebsten eingepackt. Was dann folgte, war für mich der unschöne Teil der Turtle Hatchery, aber mir war auch klar, dass der Besitzer den Leuten noch ein bisschen mehr zeigen muss, als nur Schildkrötenbabies. In lieblosen, quadratischen Betonbecken, die nur von außen für die Besucher schön angemalt waren, aber innendrin für die Schildkröten außer Wasser nichts enthielten, nicht mal ein einziges kleines Pflänzchen, waren verschiedene Schildkrötensorten in verschiedenen Größen angesiedelt. Es war toll, die teilweise besonderen Schildkrötenarten zu sehen, die unterschiedlichen Panzermuster und Schnabelformen, aber sie taten mir unglaublich leid in ihren quadratischen Becken ohne jegliche Pflanzen oder auch nur im Ansatz einer artgerechten Haltung.

Babyschildkröte Arnold – nach drei Tagen darf er ins Meer

In einem weiteren Becken sahen wir ein paar verletzte Schildkröten, die wieder aufgepeppelt wurden. Eine mit großem Riss im Panzer, eine andere hatte ichs die Ärmchen und Beinchen stark aufgerissen. Wir wir später auch noch von unserem Fahrer erfuhren, kommt regelmäßig ein Tierarzt vorbei und behandelt die Tiere. Sobald sie wieder gesund sind und frei tauchen und herumschwimmen, werden sie wieder freigelassen. Die Grundidee hinter der Turtle Hatchery finde ich super. Leider hatten wir auch hier wieder den Eindruck, dass viel nur für Touristen so angelegt ist und ein Großteil der Schildkröten wirkte auch mir mehr als gesund und bereit für die Freiheit – wurden jedoch für die Touristen zum Anschauen und Anfassen weiter in den Becken gehalten. Ich wünschte mir lieber eine Turtle Hatchery, die mir sagt Leute, heute gibt es nichts zu sehen, alle Schildkröten gesund – kommt wann anders wieder, vielleicht können wir euch dann zeigen, wie wir eine Schildkröte aufpäppeln! anstatt eine Farm, die Schildkröten nur als Geldeinnahmequelle hält. Trotzdem war ich wiederum froh, dass diese Farm wenigstens in Teilen versucht, die Tiere wieder auszuwildern und ihnen zu helfen, wenn die Mittel auch fraglich sind.

Weiter geht es nächste Woche im dritten und letzten Teil meines Sri Lanka Travel Diary. 

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3 Kommentare

  1. Anonym
    Oktober 21, 2016 / 12:30 pm

    Vielen Dank für den mega ehrlichen Review. Finde es super, dass du auch die kritischen Seiten aufzeigst.

  2. Rieke
    Oktober 21, 2016 / 3:04 pm

    Huhu liebe Lena,

    das war wieder mal sehr interessant! 🙂

    Ich sehe diese ganzen Tierfarmen etc ähnlich kritisch wie du und würde zB auch niemals zum Elefantenreiten gehen.
    Aber ich glaube, dass viele dieser Einrichtungen nicht überleben könnten, wenn sie sich selbst nicht als Touristenattraktion darstellten. Soll heißen, diese Turtle Hatchery hat vielleicht wirklich nur Gutes im Sinn, will die Schildkröten retten (obwohl ich diese Eierkaufen-Sache genauso sehe wie du), kann das aber nicht leisten, weil es nicht genug freiwillige Spender oder ehrenamtliche Helfer gibt, und weiß sich deshalb nicht anders zu helfen, als eben über Eintrittsgelder und will sich diese sichern, indem sie bestimmte Dinge bietet … Das ist aber nur eine Vermutung und traurig ist es irgendwie trotzdem.

    Liebe Grüße
    Rieke

  3. Oktober 27, 2016 / 2:23 pm

    Ihr habe ja wirklich einiges unternommen. Respekt! Andere würden den ganzen Tag nur im Liegestuhl rumgammeln. Aber ihr habt schon Recht. Wenn man schon mal in einem fremden Land ist, sollte man sich auch mit der dortigen Kultur auseinandersetzen.
    Was die Tierfarmen betrifft, sehe ich das ähnlich kritisch wie du. Teilweise kommt da echt das Gefühl auf, den Betreibern geht es nur um ihren Profit und nicht um das Wohl der Tiere. Natürlich gibt es aber nicht nur schwarze Schafe. Im Gegenteil: Ein großes Lob an alle Tierfarmen, bei denen die Tiere und ihre Gesundheit im Vordergrund stehen. Es braucht viel mehr Leute wie euch.

    Liebe Grüße
    Christina von http://ufer-los.blogspot.de/

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